{"id":13039,"date":"2025-07-03T16:32:21","date_gmt":"2025-07-03T14:32:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bho-legal.com\/?p=13039"},"modified":"2025-07-08T18:47:03","modified_gmt":"2025-07-08T16:47:03","slug":"eu-beschraenkt-den-marktzugang-chinesischer-unternehmen-bei-oeffentlichen-auftraegen-fuer-medizinprodukte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bho-legal.com\/fr\/eu-beschraenkt-den-marktzugang-chinesischer-unternehmen-bei-oeffentlichen-auftraegen-fuer-medizinprodukte\/","title":{"rendered":"EU beschr\u00e4nkt den Marktzugang chinesischer Unternehmen bei \u00f6ffentlichen Auftr\u00e4gen f\u00fcr Medizinprodukte"},"content":{"rendered":"<p>Mit der sogenannten IPI-Verordnung, die 2022 in Kraft getreten ist, zielt die EU darauf ab, faire internationale Wettbewerbsbedingungen f\u00fcr EU-Unternehmen herzustellen (<a href=\"\/?p=10248\" target=\"_blank\">BHO berichtete<\/a>). Am 30. Juni 2025 hat die EU-Kommission nun erstmals eine <a href=\"https:\/\/eur-lex.europa.eu\/legal-content\/DE\/TXT\/PDF\/?uri=OJ:L_202501197\" target=\"_blank\">IPI-Ma\u00dfnahme<\/a> erlassen.<\/p>\n<p>Diese verpflichtet \u00f6ffentliche Auftraggeber, Angebote chinesischer Unternehmen bei Ausschreibungen f\u00fcr Medizinprodukte mit einem Nettoauftragswert ab f\u00fcnf Millionen Euro vom Vergabeverfahren auszuschlie\u00dfen. Auch Angebote nicht-chinesischer Bieter sind auszuschlie\u00dfen, wenn der Anteil von Medizinprodukten chinesischen Ursprungs mehr als 50 Prozent des Angebotswerts betr\u00e4gt. Bei Verst\u00f6\u00dfen drohen Vertragsstrafen zwischen 10 und 30 Prozent des Auftragswerts.<\/p>\n<p>Ausnahmen sind vorgesehen, etwa wenn ausschlie\u00dflich chinesische Anbieter geeignete Produkte liefern k\u00f6nnen oder zwingende Gr\u00fcnde des \u00f6ffentlichen Interesses vorliegen. Die Regelung gilt zun\u00e4chst f\u00fcr f\u00fcnf Jahre und kann durch die Kommission verl\u00e4ngert werden. Betroffen sind alle Beschaffungsgegenst\u00e4nde mit den <a href=\"https:\/\/eur-lex.europa.eu\/legal-content\/DE\/TXT\/PDF\/?uri=CELEX:32008R0213\" target=\"_blank\">CPV-Codes<\/a> 33100000-1 bis 33199000-1 des Gemeinsamen Vokabulars f\u00fcr Beschaffungen (CPV), beispielsweise medizinische Ger\u00e4te, zahnmedizinische Produkte oder medizinische Verbrauchsartikel. Beschaffungen nach der VSVgV sind von der IPI-Ma\u00dfnahme ausgenommen.<\/p>\n<p><strong>Hintergrund ist ein Ungleichgewicht im Marktzugang<\/strong><br \/>\nDie Entscheidung der EU-Kommission basiert auf den Ergebnissen einer neunmonatigen Untersuchung, die im Januar 2025 abgeschlossen wurde. Dabei wurde festgestellt, dass rund 87 Prozent der \u00f6ffentlichen Ausschreibungen f\u00fcr Medizinprodukte in China diskriminierende Regelungen enthalten, die ausl\u00e4ndische \u2013 insbesondere europ\u00e4ische \u2013 Anbieter faktisch ausschlie\u00dfen. Das gesch\u00e4tzte Marktvolumen dieser Ausschreibungen betr\u00e4gt etwa 128 Milliarden Euro. Im Gegensatz dazu k\u00f6nnen chinesische Medizinprodukte im Wert von j\u00e4hrlich rund 6,2 Milliarden Euro ungehindert in die EU eingef\u00fchrt werden, wovon etwa 3 bis 4,5 Milliarden Euro auf den \u00f6ffentlichen Sektor entfallen.<\/p>\n<p><strong>Praxishinweise<\/strong><br \/>\nDie Ma\u00dfnahme beinhaltet konkrete Handlungspflichten f\u00fcr Auftraggeber, die Medizinprodukte mit einem gesch\u00e4tzten Auftragswert von mindestens 5 Mio. Euro ausschreiben. So sind diese Auftraggeber dazu verpflichtet, die Verpflichtungen des Artikels 8 der IPI-Verordnung f\u00fcr den erfolgreichen Bieter in den Vergabeunterlagen aufzunehmen.<\/p>\n<p>a) nicht mehr als 50 % des Gesamtwerts des Vertrags an Wirtschaftsteilnehmer, die aus einem Drittland stammen, f\u00fcr das eine IPI-Ma\u00dfnahme gilt, als Unterauftr\u00e4ge zu vergeben und<\/p>\n<p>b) bei Vertr\u00e4gen, deren Gegenstand die Lieferung von Waren umfasst, w\u00e4hrend der Laufzeit des Vertrags sicherzustellen, dass die in Ausf\u00fchrung des Vertrags gelieferten Waren oder erbrachten Dienstleistungen, die aus einem Drittland stammen, f\u00fcr das die IPI-Ma\u00dfnahme gilt, nicht mehr als 50 % des Gesamtwerts des Vertrags ausmachen \u2013 unabh\u00e4ngig davon, ob diese Waren oder Dienstleistungen unmittelbar vom erfolgreichen Bieter oder von einem Unterauftragnehmer geliefert oder erbracht werden \u2013,<\/p>\n<p>c) dem \u00f6ffentlichen Auftraggeber oder dem Auftraggeber sp\u00e4testens bei Vertragserf\u00fcllung auf Verlangen geeignete Nachweise entsprechend den Buchstaben a oder b vorzulegen<\/p>\n<p>d) im Falle einer Nichteinhaltung der unter den Buchstaben a oder b genannten Verpflichtungen eine anteilige Strafgeb\u00fchr zwischen 10 % und 30 % des Gesamtwerts des Vertrags zu zahlen.<\/p>\n<p>Ein ausdr\u00fccklicher Hinweis auf diese Pflichten muss in die Vergabeunterlagen aufgenommen werden. Bestehen Anhaltspunkte f\u00fcr eine Nichteinhaltung oder ist ein chinesisches Unternehmen an einer Gruppe beteiligt, die den Zuschlag erhalten soll, sind die Auftraggeber verpflichtet, den Sachverhalt aufzukl\u00e4ren und geeignete Nachweise einzufordern.<\/p>\n<p>Auch f\u00fcr Bieter ergeben sich aus dieser Ma\u00dfnahme in Verbindung mit der IPI-Verordnung Rechte: Sie haben im Vergabeverfahren einen Anspruch darauf, dass die IPI-Ma\u00dfnahme angewendet wird, und k\u00f6nnen bei Verst\u00f6\u00dfen ein Nachpr\u00fcfungsverfahren anstrengen.<\/p>\n<p>Ihr Vergabeteam von BHO Legal<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit der sogenannten IPI-Verordnung, die 2022 in Kraft getreten ist, zielt die EU darauf ab, faire internationale Wettbewerbsbedingungen f\u00fcr EU-Unternehmen herzustellen (BHO berichtete). Am 30. Juni 2025 hat die EU-Kommission nun erstmals eine IPI-Ma\u00dfnahme erlassen. 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