{"id":12019,"date":"2024-01-09T11:04:35","date_gmt":"2024-01-09T09:04:35","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bho-legal.com\/?p=12019"},"modified":"2024-01-09T11:04:35","modified_gmt":"2024-01-09T09:04:35","slug":"meta-gegen-bundeskartellamt-anforderungen-an-das-zusammenfuehren-von-nutzerinnendaten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bho-legal.com\/fr\/meta-gegen-bundeskartellamt-anforderungen-an-das-zusammenfuehren-von-nutzerinnendaten\/","title":{"rendered":"Meta gegen Bundeskartellamt: Anforderungen an das Zusammenf\u00fchren von Nutzer:innendaten"},"content":{"rendered":"<p>Soziale Netzwerke und Tech-Konzerne leben von gro\u00dfen Datenmengen, die sie auf den eigenen Internetseiten, Portalen und Plattformen und auch aus Quellen Dritter sammeln und verarbeiten. Der Europ\u00e4ische Gerichtshof (EuGH) hat Meta und Co. nunmehr Grenzen bei dem Sammeln und Zusammenf\u00fchren von Daten f\u00fcr umfangreiche Nutzer:innenprofile gesetzt. Am 4. Juli 2023 f\u00e4llte er ein Urteil \u00fcber insgesamt sieben Vorlagefragen des Oberlandesgericht (OLG) D\u00fcsseldorf. Hintergrund der umfangreichen Entscheidung ist ein Rechtsstreit zwischen dem Bundeskartellamt und dem Tech-Giganten Meta. Die deutsche Wettbewerbsbeh\u00f6rde untersagte Meta (damals noch Facebook) im Jahre 2019, Off-Facebook-Daten zum Zweck der personalisierten Werbung zu nutzen. Dieser Rechtsauffassung gibt der EuGH nun R\u00fcckendeckung und schreibt eine strenge Auslegung der DSGVO vor. Wir erl\u00e4utern die Hintergr\u00fcnde und Inhalte dieser Entscheidung und ordnen die Folgen des Urteils f\u00fcr die europ\u00e4ische Datenwirtschaft ein.<\/p>\n<p><strong>Hintergrund des Verfahrens am EuGH<\/strong><\/p>\n<p>Der Tech-Konzern Meta finanziert sich durch das Sammeln von Daten, anhand derer er detaillierte Profile der Nutzer:innen \u00fcber ihr Verhalten, ihre Interessen, Kaufkraft und Lebenssituation erstellen kann. Da auf diese Datenverarbeitungen in den Nutzungsbedingungen der Dienste hingewiesen wird, w\u00e4hnte sich Meta bisher rechtlich auf der sicheren Seite. Das deutsche Bundeskartellamt (BKartA) hatte dem Tech-Giganten allerdings das Zusammenf\u00fchren und Verarbeiten von sogenannten Off-Facebook-Daten untersagt, also Daten aus Drittquellen wie beispielsweise von Cookies oder von in Apps integrierten Schnittstellen. Diese hat Meta verwendet, um Nutzer:innenprofile anzureichern. Die Datenverarbeitungen nur in die Nutzungsbedingungen der Dienste aufzunehmen, w\u00fcrde laut BKartA f\u00fcr eine Rechtm\u00e4\u00dfigkeit nach der DSGVO nicht ausreichen.<\/p>\n<p>Meta klagte gegen das Verbot. Das f\u00fcr die Klage zust\u00e4ndige OLG D\u00fcsseldorf strengte schlie\u00dflich ein Vorabentscheidungsverfahren beim EuGH nach Art. 267 AUEV an und legte dem Gericht im Wesentlichen vier Punkte zur Kl\u00e4rung vor. Dazu geh\u00f6rte die Frage, ob das Bundeskartellamt als nationale Wettbewerbsbeh\u00f6rde neben den Datenschutzaufsichtsbeh\u00f6rden die Befugnis hat, die Einhaltung der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) zu pr\u00fcfen. Weitergehend sollte der EuGH entscheiden, ob besondere Kategorien personenbezogener Daten gem\u00e4\u00df Art. 9 Abs. 1 DSGVO (wie Gesundheitsdaten oder Daten \u00fcber die politische Gesinnung), die von Betreibern sozialer Netzwerke von Drittquellen erhoben werden, rechtm\u00e4\u00dfig genutzt werden d\u00fcrfen. Nicht zuletzt musste der EuGH sich mit den Rechtsgrundlagen f\u00fcr die Verarbeitung von Off-Facebook-Daten durch Betreiber sozialer Online-Netzwerke auseinandersetzen und beurteilen, ob einem Unternehmen mit marktbeherrschender Stellung gegen\u00fcber \u00fcberhaupt eine freiwillige Einwilligung abgegeben werden kann. In seinem Urteil vom 4. Juli 2023 fand das Gericht schlie\u00dflich klare Worte f\u00fcr die Auslegung der DSGVO und entschied in vielen Punkten gegen die Rechtsauffassung von Meta. Gleichzeitig wirft das Urteil durch die strengen Voraussetzungen, die an die Rechtsgrundlagen f\u00fcr Datenverarbeitungen gekn\u00fcpft werden, Fragen zur Umsetzbarkeit in der Praxis auf.<\/p>\n<p><strong>Das Datensammeln von Meta verst\u00f6\u00dft laut EuGH gegen die DSGVO<\/strong><\/p>\n<p>Durch die inhaltlich und zahlenm\u00e4\u00dfig umfassenden Vorlagefragen aus D\u00fcsseldorf hatte der EuGH Gelegenheit, zu vielen datenschutzrechtlich relevanten Punkten Stellung zu beziehen. Sein Urteil ist daher in Hinblick auf die Auslegung der DSGVO und Datenschutzrecht in der EU von hoher Relevanz. Konkret kamen aus Stra\u00dfburg auf die offenen Fragen folgende Antworten:<\/p>\n<p><strong>Nationale Kartellrechtsbeh\u00f6rden d\u00fcrfen unter bestimmten Voraussetzungen Datenschutzrechtsverst\u00f6\u00dfe pr\u00fcfen<\/strong>.<\/p>\n<ul>\n<li>Wettbewerbsrecht, Verbraucherrecht und Datenschutzrecht sind aus Sicht des EuGH eng miteinander verbundene Themenbereiche. Die Erhebung und Verwertung personenbezogener Daten ist von hoher Relevanz in der heutigen Digitalwirtschaft und bildet die Gesch\u00e4ftsgrundlage vieler einflussreicher Entscheider und wichtiger Unternehmen in den entsprechenden Branchen.<\/li>\n<li>F\u00fcr eine wirksame Wettbewerbsregulierung und den effektiven Schutz von Markt und Verbraucher:innen ist es daher nach Ansicht des EuGH erforderlich, dass nationale Wettbewerbsbeh\u00f6rden wie das BKartA bei der Pr\u00fcfung des Missbrauchs von marktbeherrschender Stellungen auch die DSGVO in den rechtlichen Pr\u00fcfrahmen einbeziehen (EU:C:2023:537 Rn. 51).<\/li>\n<li>Um eine koh\u00e4rente Anwendung der DSGVO zu gew\u00e4hrleisten, ist es aber zus\u00e4tzlich erforderlich, dass sich die nationale Wettbewerbsbeh\u00f6rde mit der f\u00fcr die Aufsicht \u00fcber die DSGVO zust\u00e4ndigen Beh\u00f6rde abstimmt. Hierf\u00fcr m\u00fcssen vorherige Entscheidungen der Aufsichtsbeh\u00f6rde ber\u00fccksichtigt werden oder, falls noch keine getroffen wurden, eine Entscheidung angefragt werden.<\/li>\n<li>Wenn eine Antwort der nationalen Datenaufsichtsbeh\u00f6rde ausbleibt, hat die Wettbewerbsbeh\u00f6rde jedoch die Erlaubnis, ohne eine weitere Abstimmung eine eigene Entscheidung \u00fcber den DSGVO-Versto\u00df zu treffen (EU:C:2023:537 Rn. 61).<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Besondere Kategorien personenbezogener Daten nach Art. 9 Abs. 1 DSGVO, die durch das F\u00fcttern von Schnittstellen entstehen, gelten nicht per se als \u00f6ffentlich zug\u00e4nglich gemacht und d\u00fcrfen daher auch nicht von den Betreibern sozialer Netzwerke ohne Weiteres genutzt werden. <\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Laut EuGH muss die Gesamtheit aller verarbeiteten Daten (inklusive der Daten aus Drittquellen) auf eine objektive Einstufung als Daten iSd Art 9 Abs. 1 DSGVO hin \u00fcberpr\u00fcft werden (EU:C:2023:537 Rn. 68). Das bedeutet, dass bereits ein Datensatz, der eine Information enth\u00e4lt, die nicht vom Rest der weiteren Daten getrennt wurde oder nicht getrennt werden kann, insgesamt nur unter den strengen Voraussetzungen des Art. 9 Abs. 2 DSGVO verarbeitet werden darf.<\/li>\n<li>F\u00fcr den Rechtfertigungsgrund aus Art. 9 Abs. 2 lit. e DSGVO kommt es konkret darauf an, ob eine Person bestimmte Daten tats\u00e4chlich der \u00d6ffentlichkeit zug\u00e4nglich machen wollte, w\u00e4hrend die Nutzung von Schnittstellen wie dem \u201eGef\u00e4llt Mir\u201c-Button, Sharing-Diensten oder Cookies allein nicht ausreicht (EU:C:2023:537 Rn. 75, 78). Grund daf\u00fcr ist, dass Nutzer:innen lediglich damit rechnen m\u00fcssen, dass der Webseitenbetreiber und &#8211; bei einer entsprechenden Einwilligung &#8211; auch Dritte auf diese Informationen zugreifen k\u00f6nnen. Mit einer Weiterleitung an eine breite \u00d6ffentlichkeit wird ein:e Nutzer:in bei einem Webseiten- oder App-Besuch nicht rechnen m\u00fcssen (EU:C:2023:537 Rn. 78).<\/li>\n<li>Von einem \u201eoffensichtlichen \u00f6ffentlich machen\u201c ist nur dann auszugehen, wenn die Nutzer:innen unter Kenntnis der Umst\u00e4nde individuelle Einstellungen vornehmen konnten und sich so tats\u00e4chlich f\u00fcr eine \u00f6ffentliche Einsehbarkeit der Information entschieden haben, nicht aber, wenn sie die Information de facto nur einem begrenzten Personenkreis zug\u00e4nglich gemacht haben (EU:C:2023:537 Rn. 80, 91). Erforderlich sind also explizite Handlungen der Nutzer:innen, die auf ein \u00f6ffentlich machen hinwirken.<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Die Rechtfertigungstatbest\u00e4nde des Art. 6 Abs. 1 S. 1 lit. b bis f DSGVO sind f\u00fcr die Verarbeitung und Verkn\u00fcpfung von Daten dritter Webseiten und Apps durch Betreiber sozialer Netzwerke nicht einschl\u00e4gig bzw. erfordern einen h\u00f6heren Begr\u00fcndungsaufwand.<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Eine <strong>Erforderlichkeit f\u00fcr die Vertragserf\u00fcllung <\/strong>nach<strong> 6 Abs. 1 S. 1 lit. b DSGVO<\/strong> ist nach Ansicht des EuGH gegeben, wenn die Datenverarbeitung unerl\u00e4sslich ist, um den Vertragszweck zu erreichen; der Hauptgegenstand des Vertrags d\u00fcrfte ohne die Datenverarbeitung nicht erf\u00fcllt werden k\u00f6nnen (EU:C:2023:537 Rn. 98).<\/li>\n<li>Das Sammeln von Off-Facebook-Daten zum Zweck der Personalisierung von Werbung sieht der EuGH jedoch nicht als erforderlich an, um soziale Netzwerke zu betreiben und auch die Weitergabe der Daten an andere Unternehmen innerhalb des Meta-Konzerns ist nicht erforderlich nach Art. 6 Abs. 1 S. 1 lit. b DSGVO; insbesondere erlaubt es Meta seinen Nutzer:innen die verschiedenen Dienste des Konzerns einzeln und unabh\u00e4ngig voneinander zu nutzen, sodass sich keine Erforderlichkeit ergibt, Daten an einen weiteren Meta-Dienst weiterzugeben (EU:C:2023:537 Rn. 102).<\/li>\n<li>F\u00fcr den Rechtfertigungstatbestand aus <strong> 6 Abs. 1 S. 1 lit. f DSGVO<\/strong> und das darin genannte <strong>berechtigte Interesse<\/strong> m\u00fcssen kumulativ drei Voraussetzungen erf\u00fcllt werden: ein berechtigtes Interesse muss an sich bestehen, die konkrete Datenverarbeitung muss gerade zur Erf\u00fcllung des Interesses erforderlich sein und im Rahmen einer Gesamtabw\u00e4gung d\u00fcrfen die Interessen, Grundrechte und Grundfreiheiten derjenigen Person, die von der Datenverarbeitung betroffen ist, nicht \u00fcberwiegen.<\/li>\n<li>Schlie\u00dflich erteilt der EuGH einem pauschal \u00fcberwiegenden berechtigten Interesse an Datenverarbeitungen zu Werbezwecken oder zur Produktverbesserung eine Absage; allein ob der Unentgeltlichkeit der sozialen Netzwerke von Meta k\u00f6nnen Nutzer:innen nicht damit rechnen, dass ihre Daten in unbegrenztem Ausma\u00df ohne Einwilligung verarbeitet werden (EU:C:2023:537 Rn. 117, 122).<\/li>\n<li>Der Rechtfertigungstatbestand aus <strong> 6 Abs. 1 S. 1 lit. c DSGVO<\/strong>, der sich auf die Erf\u00fcllung einer <strong>rechtlichen Verpflichtung<\/strong> st\u00fctzt, kann zwar grunds\u00e4tzlich einschl\u00e4gig sein, es bedarf aber einer Konkretisierung bestehender Rechtspflichten f\u00fcr die jeweilige Datenverarbeitung. Daher spielt der EuGH den Ball hier an das vorlegende Gericht zur\u00fcck, ohne in der Sache zu entscheiden (EU:C:2023:537 Rn. 130, 131).<\/li>\n<li>F\u00fcr die Rechtsgrundlagen aus <strong> 6 Abs. 1 S. 1 lit. d und e DSGVO<\/strong>, die aus <strong>dem Schutz lebenswichtiger Interessen<\/strong> bzw. der <strong>Erf\u00fcllung von Aufgaben im \u00f6ffentlichen Interesse<\/strong> erwachsen, sieht der EuGH im Fall keine Ankn\u00fcpfungspunkte und geht \u00fcber allgemeine Erw\u00e4gungen nicht hinaus.<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Die marktbeherrschende Stellung eines Unternehmens schlie\u00dft die Freiwilligkeit einer Einwilligung in eine Datenverarbeitung nicht aus. <\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Nach Erw\u00e4gungsgrund 42 der DSGVO ist die Freiwilligkeit beeintr\u00e4chtigt, wenn bei Verweigerung der Einwilligung mit Nachteilen gerechnet werden muss. Daher m\u00fcssen Nutzer:innen die freie Wahl haben zwischen Datenverarbeitungen, die nicht erforderlich sind f\u00fcr die Nutzung des Dienstes und einer gleichwertigen Alternative. Das Gericht bezieht sich hier exemplarisch als m\u00f6gliche L\u00f6sung auf die Zahlung eines angemessenen Entgelts, also einer \u201ePay-to-Play\u201c-L\u00f6sung (EU:C:2023:537 Rn. 150).<\/li>\n<li>Dass aber im Einzelfall die marktbeherrschende Stellung Auswirkungen auf die Freiwilligkeit hat, schlie\u00dft der EuGH nicht aus und stellt fest, dass die Darlegungslast an dieser Stelle bei den Unternehmen liegt (EU:C:2023:537 Rn. 152).<\/li>\n<li>Der Umstand allein, dass ein Konzern eine solche Position auf dem Markt innehat, kann der Einwilligung aber nicht die G\u00fcltigkeit entziehen; sonst k\u00f6nnten Nutzer:innen gegen\u00fcber Netzwerkbetreibern wie Meta und Co keine wirksamen Einwilligungen mehr erteilen.<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Die Entscheidung des EuGH betrifft lediglich die Auslegung der DSGVO. Wie der Fall konkret f\u00fcr Meta und das Bundeskartellamt ausgehen wird, entscheidet nun das OLG D\u00fcsseldorf unter Anwendung der Hinweise aus dem Urteil. Deutlich wird jedoch bereits jetzt, dass der EuGH von Unternehmen wie Meta einen h\u00f6heren Begr\u00fcndungsaufwand und einen differenzierteren Umgang mit Nutzer:innendaten fordert. Der EuGH zeigt sich unbeeindruckt von bestehenden Praktiken der Data-Broker und bleibt dabei: Nutzer:innen brauchen mit einem massenhaften Sammeln und Verteilen ihrer Daten grunds\u00e4tzlich nicht zu rechnen.<\/p>\n<p>In Hinblick auf die enormen Einflussm\u00f6glichkeiten, die Unternehmen durch die Erstellung von Nutzer:innenprofilen entwickeln, ist es auf der einen Seite legitim, einen differenzierteren Umgang mit Daten zu fordern. Hierunter f\u00e4llt beispielsweise auch die verst\u00e4rkte R\u00fccksicht auf den Schutz Minderj\u00e4hriger, wie es der EuGH in Hinblick auf Daten von Kindern fordert. Neben Meta geraten dadurch auch Plattformen wie TikTok in den Fokus, die vielfach von Minderj\u00e4hrigen genutzt werden. Obgleich es f\u00fcr die Netzwerkbetreiber technisch herausfordernd sein d\u00fcrfte, die Daten von Kindern herauszufiltern und gesondert zu pr\u00fcfen, zeichnet sich ab, dass eine massenhafte und pauschale Datenverarbeitung den strengen Kriterien des EuGH nicht gerecht wird und daher h\u00f6chstwahrscheinlich als rechtswidrig eingestuft wird.<\/p>\n<p>Andererseits erschwert das Gerichtsurteil jedoch deutlich die praktische Umsetzung rechtskonformer Datenverarbeitungen jenseits von Einwilligungen, indem es konstatiert, dass die Rechtfertigungstatbest\u00e4nde des Art. 6 Abs. 1 S. 1 lit. b bis f DSGVO grunds\u00e4tzlich eng auszulegen sind (EU:C:2023:537 Rn. 93). Ein Beispiel ist das berechtigte Interesse iSd\u00a0 Art. 6 Abs. 1 S. 1 lit. f DSGVO an einer Produktverbesserung im Rahmen von sogenannten Improvement of Services-Klauseln. Hier ordnet der EUGH an, dass stets im Einzelfall mit anderen Interessen und Rechtsg\u00fctern abgewogen werden m\u00fcsste und Unternehmen beispielsweise f\u00fcr eine bestimmte Art von Daten nicht pauschal von einem \u00dcberwiegen ausgehen d\u00fcrfen (exemplarisch EU:C:2023:537 Rn. 123). Dadurch werden f\u00fcr alle Unternehmen, nicht nur Tech-Giganten wie Meta und Co, in der Praxis gro\u00dfe H\u00fcrden aufgestellt. Eine umfangreiche Abw\u00e4gung f\u00fcr jeden einzelnen Datensatz ist insbesondere f\u00fcr weniger breit aufgestellte Unternehmen nur schwer umsetzbar.<\/p>\n<p><strong>Ihre Experten f\u00fcr Datenschutzrecht<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"\/?page_id=7485\">Dr. Matthias Lachenmann<\/a>, Rechtsanwalt und Partner<br \/>\nTelefon: +49 221 \/ 270 956 \u2013 180, E-Mail:\u00a0<a href=\"mailto:matthias.lachenmann@bho-legal.com\">matthias.lachenmann@bho-legal.com<\/a><\/p>\n<p><a href=\"\/?page_id=1829\">Gerhard Deiters<\/a>, Rechtsanwalt und Partner<br \/>\nTelefon: +49 221 \/ 270 956 \u2013 160, E-Mail: <a href=\"mailto:gerhard.deiters@bho-legal.com\">gerhard.deiters@bho-legal.com<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Soziale Netzwerke und Tech-Konzerne leben von gro\u00dfen Datenmengen, die sie auf den eigenen Internetseiten, Portalen und Plattformen und auch aus Quellen Dritter sammeln und verarbeiten. 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